Weibern / Eifel  2024

28. Januar 1945: Im Tiefflug über Weibern

Mit freundlicher Genehmigung von Hans Schmitz

Lediglich die Älteren unter uns, und zwar die etwa über 80-Jährigen, können sich an jene tragische Tage im letzten Kriegsjahr erinnern, als die alliierten Luftangriffe immer mehr zu täglich gewohnten Ereignissen wurden. Ab Sommer 1944 war man bei Arbeiten auf dem Felde nicht mehr sicher vor dem Kugelhagel der Bordwaffen der im Tiefflug angreifenden Jagdbomber.

Die Gefahr, die von den schweren feindlichen Bomberverbänden, die bei Tag und Nacht unsere engere Heimat überflogen, ausging, hatte man im ländlichen Raum zunächst unterschätzt. Man war der der Ansicht, dass deren Angriffsziel die größeren Städte mit deren großen Fabriken sei. Insgeheim wurde zwar befürchtet, dass die mit der näher rückenden Westfront in Verbindung stehenden Funkstationen in Engeln und Schalkenbach Angriffsziele werden könnten. Wie sehr diese Befürchtungen berechtigt waren, wurde am 6. Januar 1945 deutlich, als die Nachbartorte Kempenich und Engeln einen Bombenhagel erlebten, dem nicht nur viele Häuser zum Opfer

fielen, sondern bei dem mehr als 30 Menschen aus dem Leben gerissen wurden. Einen ähnlich schwerem Bombenangriff erlebte Schalkenbach-Vinxt Anfang März 1945 nur wenige Tage vor dem Einzug der Amerikaner.

Man wurde sich erst spät bewusst, dass die Gefahr auf dem Lande größer war als in der Großstadt, wo durch Fliegeralarm rechtzeitig die drohende Gefahr angekündigt wurde und bombensichere Luftschutzeinrichtungen vorhanden waren.

Absturz der Boing B-17 G "Flying Fortress" oberhalb Weibern

Viermotoriger Bomber im Tiefflug über Weibern

Der Sonntag, 28. Januar 1945, wäre für Weibern beinahe zu einem tragischen Schicksalstag geworden. Es lag wieder das gewohnte Geräusch der dumpf dröhnenden Motoren der schweren Bomberverbände in der Luft. Manfred Dahm erinnert sich, wie gegen Mittag plötzlich ein außergewöhnlich donnerndes Getöse über den Ort hereinbrach, das mit einer lauten Detonation endete und die Bewohner in Angst und unheimliche Schrecken versetzte. Die Ursache war der abstürzende viermotorige Bomber, der aus Richtung Hommersberg im Tiefflug quer über die Bahnhofsstraße raste und am Riedener Berg, oberhalb der heutigen Waldstraße/Buchenweg, im Flurstück „In der Lei“ zerschellte. Infolge der Treibstofftanks, die in Brand gerieten und den vorderen Teil der Maschine zersprengten kam es zu heftigen Explosionen. Die Bordwaffenmunition löste bei der Hitze noch lange Explosionen aus, so dass es zunächst kaum einer wagte, die Absturzstelle zu betreten. Da der Hang an der Stelle, wo das Flugzeug die Erde berührte, nicht ganz so steil war, ist der Absturz mit einer Bruchlandung zu vergleichen, denn der hintere Teil der Maschine blieb völlig ganz, wie es von anderen Absturzstellen der Umgebung kaum bekannt ist.

Dieses sensationelle Ereignis sprach sich auch in den Nachbarorten rund. So packte mich, dem damals 12-jährigen Jungen aus Brenk sowie meine Kameraden die Neugier, bald die Absturzstelle zu besichtigen. Unzählige Wrackteile des vorderen Teils der  Unglücksmaschine lagen über den Hang verstreut. Dass es sich um 4-motoriges Flugzeug handelte, war klar zu erkennen, denn die Motoren sowie die Propeller waren nicht zu übersehen. Für Hobbybastler war hier eine wahre Fundgrube für hochwertige technische Geräte. Natürlich sind wir auch in den hinteren Rumpfteil hineingeklettert. Durch das kleine Heckfenster, das aus sehr dickem Sicherheitsglas bestand, hatte man einen einmaligem Blickwinkel über Weibern.

Ein Bordmaschinengewehr, das hier unmittelbar nach dem Absturz noch vorhanden gewesen sein soll, war inzwischen verschwunden. An der Innenwand des Rumpfes gingen flexible Drahtseile vorbei, die zum hinteren Steuerungsruder führten. Wir hatten unsere Freude daran, durch Ziehen an diesen Seilen, das mehrere Meter hohe Steuerruder (Seitenleitwerk) zu bewegen.

Beim Absturz sind keine Menschen zu Schaden gekommen. Gemäß den Recherchen beim Bundesarchiv ist ein Teil der Besatzung von neun Leuten auf dem vorderen Westerwald oberhalb Bad Hönningen mit dem Fallschirm abgesprungen, lediglich der Pilot und der Bordingenieur sind erst bei Weibern mit dem Fallschirm abgesprungen.

Lt. Berichterstattung des Willard Reese (t 2008) auf der Hompage der 457thbombgroup (jetzt neu: https://457thbombgroupassoc.org) sind alle Mann der Besatzung unverletzt aus dem Flugzeug s/n 42 97164, namens "Rebel Queen", abgesprungen. Dieser Feststellung basiert auf den Aussagen der Besatzungsmitglieder die gefangen genommen wurden.

Die Maschine gehörte der 457th Bomb Group an, die zu einem Bombenziel in Köln beauftragt war. Der Rückflug ist in Richtung Süden fortgesetzt worden, um gewisse Flakstellungen zu umfliegen. Die "Rebel Queen" hatte einen Flaktreffer im Cockpit abbekommen. Nachdem die Triebwerke ausgefallen waren, hat die Besatzung die Maschine nach und nach verlassen und keiner der Mannschaft ist in der Luft verletzt worden. Die Maschine wurde vom Piloten erst kurz bevor sie am Riedener Berg von der Erde wieder aufgenommen wurde, verlassen. Nur Bruchteile von Sekunden haben entschieden, dass Weibern vor einer schrecklichen Tragödie bewahrt blieb.

Im Laufe der Zeit wurden die an der Unglückstelle lagernden Überreste immer weniger, denn in dem herrenlosen teils hochwertigen Material sahen die Altmaterialhändler eine lukrative Einnahmequelle. Heue ist die Stelle mit hohen Fichten bewachsen und nur von Ortskundigen zu identifizieren. An der Absturzstelle wurde inzwischen ein Gedenkstein errichtet.

Hans Schmitz, Januar 2006 mit Ergänzungen der Heimatfreunde Weibern 2021

 

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